Nein, es geht nicht um einen Bahnhof und auch um keinen Flughafen. Es geht um eine militärische Anlage: die Verteidigungsanlage Four-à-Chaux (Kalkofen), Teil der Maginot-Linie im Nordelsass. Erbaut 1930 bis 1935; im Juni 1940 eineinhalb Tage Krieg vom Angriff der deutschen Wehrmacht bis zur Kapitulation des Forts; dann ohne Funktion; seit 1983 ein Besichtigungsobjekt für Touristen.
So auch am vergangenen Samstag, als der SPD Ortsverein einen Tagesausflug unternommen hat, zusammen mit Teilnehmern aus dem ganzen SPD Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Eingeladen hatte dazu der SPD Ortsverein. Das politische Thema war „Grenzen“. Der Reiseführer und OV-Vorsitzende Friedrich Löblein erinnerte bei der ersten, nicht wahrzunehmenden Grenzüberfahrt kurz vor Pforzheim an die ehemalige Grenze zwischen Baden und Württemberg – sie spielt ja keine Rolle mehr – und war doch Mitte des 19. Jahrhunderts für die Württemberger so wichtig, um nicht „revolutionäres Gedankengut“ von Einigkeit und Recht und Freiheit von den badischen Aufständlern von 1848 grenzüberschreitend hier wirksam werden zu lassen. An der deutsch-französischen Grenze hat Löblein vom „Schengen-Abkommen“ gesprochen, das seit 1985/1995 die Personenkontrollen zwischen mitteleuropäischen Staaten abschaffte – und heute spielt – vielfach europa-trennend – die Diskussion gerade über dieses Grenz-Abkommen wieder eine große Rolle: Bayern-Österreich / Ungarn – Slowenien – Mazedonien – Griechenland / Türkei.
Ach ja, und ganz nahe bei uns, in Benningen, gab es jahrhundertelang auch eine Grenze, den römisch-germanischen Limes, fast vom Schwarzen Meer bis England / Schottland reichend: einst nicht primär kriegerisch, sondern vorrangig wirtschaftlich ausgelegt – allerdings nicht nur um abzugrenzen, sondern auch um Handelswege zu öffnen. Heute: Weltkulturerbe – ach, warum könnte man nicht gleich statt Grenzen Kultur und statt Militäranlagen Museen errichten? Und statt Grenzen zu sichern das menschliche und staatliche Zusammenlebens in Freiheit und Recht und Einigkeit abzusichern? Es würde sogar weniger kosten – vor allem weniger Menschenleben!
In Four-à-Chaux erinnern übrigens zwei Gedenktafeln an Gefallene. Eine an die Gefallenen von zwei französischen „Festungsregimentern“, eine an die einer württembergischen-badischen Infanterie-Division …

Besichtigung von Four-à-Chaux (Maginot-Linie)
Monsieur Bernard hat unserer Reisegruppe die Baulichkeit der Maginot-Linie und des Bunkers Four-à-Chaux anschaulich erläutert – das Leben und der sinnlose soldatische Einsatz im Fort kamen glücklicher Weise gut rüber, keine militärische Sieger-Verlierer-Mentalität. Und die Elsässer: innerhalb von 5 Jahren trugen sie 5 verschiedene Uniformen: französische (als Bürger Frankreichs seit 1918) – deutsche (als „heim ins Reich“ geholte deutsche Männer seit 1940) – russische (als Gefangene, doch als Franzosen nun verbündete Soldaten) – britische (als weiterhin, nun an der „Südfront“ ab 1943 eingesetzte, „Alliierte“) – schließlich wieder französische.

Der SPD Ortsverein Pleidelsheim Im idyllisch-romantischen Grenzstädtchen Wissembourg
Das gastliche und das idyllische Elsass hat unsere Reise dabei selbstverständlich nicht übergangen. Die Busfahrt führte uns durch den Naturpark Nord-Vogesen in das Weingebiet um Cleebourg zum typisch elsässischen Mittagessen. Der Nachmittag konnte in Wissembourg, Weißenburg, der ehemaligen freien Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, durch eine Rundfahrt mit dem Grenzlandbähnchen oder zu Fuß besichtigt werden. Als Grenzstädtchen ist Wissembourg nicht nur traditionsverbunden, romantisch, fachwerkgeschmückt, sondern auch „welt-offen“, zumindest inter-national-französisch-deutsch. Eben Elsass.
Dr. Friedrich Löblein