In einer gut besuchten öffentlichen Veranstaltung hat sich der SDP-Ortsverein mit dem Thema Asyl befasst. In das Asylrecht und die Praxis des Asylverfahrens führte Martha Albinger ein. Sie ist tätig für die Caritas bei der Ökumenischen Fachstelle zur Unterstützung der Asylkreise im Landkreis Ludwigsburg und seit 20 Jahren beruflich in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Kompetent und praxisnah brachte sie die gesetzliche und praktische Asylsituation nahe. Etwa 1700 Asylsuchende leben derzeit im Landkreis Ludwigsburg.
Es geht nicht ohne Herz für die Asyl suchenden Menschen. Es geht aber auch nicht ohne die Kenntnisse über das Asylrecht des Grundgesetzes – und seine Einschränkungen. Und es geht nicht ohne Wissen über das Asylbewerberleistungsgesetz, über die Stationen und Phasen des Asylverfahrens, über den Unterschied von Aufenthaltsgestattung und Aufenthaltsgenehmigung, über „Dublin III“ , d.i. die EU-Vereinbarung und das Verfahren der Abschiebung von Asylsuchenden in die „sicheren Herkunftsländer“ innerhalb der Europäischen Union (d.i. dort, wo sie erstmals EU-Boden betreten haben). Derzeit wird an etwa 95% der Syrienflüchtlinge wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat die vorläufige Aufenthaltsgenehmigung erteilt – doch das dauert oft Monate. Denn wegen der politisch gewollten raschen Abschiebung von Asylsuchenden aus dem Kosovo und infolge des Mangels an bereits geschulten Sachbearbeitern in der Erstaufnahmestelle Karlsruhe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge können die Anhörungen und damit die Aufenthaltsgenehmigungen der Syrer und anderer oft erst nach mehreren Monaten erfolgen. - Der SPD-Ortsverein Pleidelsheim setzt sich dafür ein, dass innerhalb der EU möglichst rasch (anstelle des Dublin-III-Verfahrens) eine quotierte Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden für die einzelnen EU-Länder beraten und beschlossen wird.
Über die Situation der Asylsuchenden in Pleidelsheim hat aus erster Hand der Begründer und Sprecher des Arbeitskreises Asyl Pleidelsheim, Dr. Friedrich Löblein, berichtet. Derzeit sind hier 15 Syrer, Eritreer und Gambier in der Gemeinschaftsunterkunft, eine syrische Familie in einer Mietwohnung und einige weitere einzelne sonst untergebracht. Löblein breitete die Palette von Hilfen aus, die der AK Asyl bisher geleistet, vermittelt oder begleitet hat: von warmer Kleidung über soziale Angebote, Begleitung zur Beratungsstelle, Gelegenheitsarbeiten u.v.a. bis hin insbesondere zu einem mehrfach gefächerten Deutschunterricht durch ehemalige Lehrerinnen und weitere Pleidelsheimerinnen. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist äußerst groß und überaus erfreulich. Inzwischen verbreitert sich das Hilfe- und Kontaktnetz auch direkt und unabhängig vom AK Asyl in der Bevölkerung. Die Asylsuchenden sind „angekommen“. Ihre Dankbarkeit und ihre Freude, nicht allein gelassen oder ausgegrenzt zu sein, sind herzlich und spürbar. Die Zeit der letzten drei Monate ist eine „Erfolgsgeschichte der Menschlichkeit in Pleidelsheim“, so Löblein. - Die SPD-Mitglieder sprachen dem Arbeitskreis Asyl und seinem Initiator und Vorsitzenden Dr. Löblein Dank und hohe Anerkennung für die geleistete Arbeit aus.