Sorglose Atomwirtschaft!?

Veröffentlicht am 04.08.2009 in Ortsverein

Die wieder aufflammende Auseinandersetzung über Atomkraft, bedingt durch die jüngsten Pannenserie in Krümmel, Lingen und Philippsburg, haben auch die Pleidelsheimer Sozialdemokraten zum Anlass genommen, erneut über Atomkraft und Endlagerung nachzudenken.

In ihrer kürzlich stattgefundenen Ortsvereinsversammlung diskutierten sie darüber, wie man Menschen mit diesem Thema sensibilisieren kann. Viele glauben, dass der sich abzeichnende Meinungskampf zwischen den Parteien völlig überflüssig wäre und nur als Wahlkampf empfunden wird. Am 27. September geht es um mehr. Schwarz-Gelb will den Atomausstieg kippen und ausgerechnet die Laufzeit der sieben ältesten Reaktoren zulasten jüngerer Reaktoren verlängern. Der Grund: alte, abgeschriebene Reaktoren erzeugen besonders billigen Strom – nur profitiert der Endverbraucher nicht davon, so wie es uns die Atomlobby vorgaukelt. Sie streichen selbst die Gewinne ein. Außerdem altern auch Reaktoren. Damit steigen die Risiken mit jedem Betriebsjahr. Sie wurden für eine Laufzeit von 25 Jahren konzipiert, nicht für 40 oder gar 60 Jahre. Einige Versammlungsteilnehmer sprachen die Gefahren und Kosten der Entsorgung radioaktiv verseuchten Materials an. Wer haftet eigentlich für die Erblasten der Atomkraft – die Konzerne oder der Staat? Die Antwort wurde schnell gefunden: das Risiko von Unfällen trägt der Staat und bezahlen dürfen die Bürger. Schon 1991 ließen sich die Konzerne ihren Kostenanteil für die Entsorgung auf 550 Mio Euro deckeln, während die heutigen Kosten auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt werden. Diese Kosten tauchen auf keiner Stromrechnung auf, sondern sind in den Steuern versteckt. Folglich lässt das Entsorungsrisiko die Atomkonzerne schon lange kalt, so ein Diskussionsteilnehmer. Erstaunt ist man auch darüber, dass die Atomlobby das Problem der Entsorgung vor sich her schiebt und den nachfolgenden Generationen aufbürdet. Man regt sich zwar über demographische Veränderungen beim Generationsvertrag auf, eine Lösung für eine Atomendlagerung gibt es dagegen nicht. Die Lobbyisten verhalten sich verantwortungslos. So z.B. in Asse in Niedersachsen. Das als sicher geltende Versuchs-Atomendlager ist ein strahlender, todsicherer Müllhaufen. Seit 2005 traten mehr als 77.000 Liter radioaktiver kontaminierte Lauge aus und eine Sanierung wird Milliarden Steuergelder verschlingen. Im früheren DDR-Endlager Morsleben sind ebenfalls Zweifel an der Eignung als Atomkippe laut geworden. Die Versammlungsteilnehmer zogen ein Fazit: es gibt keinen Anlass den Ausstieg aus der Atomenergie in Frage zu stellen. Die Zukunft liegt nicht darin, eine Risikotechnologie wiederbeleben zu wollen, sondern vielmehr in einer nachhaltigen Energiewirtschaft, die auf Effizienz und Einsparung und immer mehr auf erneuerbaren Energien basiert. Und wenn dies als Wahlkampfgetöse bezeichnet wird, sollte jeder Wähler ernsthaft darüber nachdenken, welchen Kandidaten und welche Partei er im September wählen wird.

 

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