Veröffentichung der Marbacher Zeitung:
Pleidelsheim Am Sonntag begeht der SPD-Ortsverein das 50-jährige Bestehen mit einer Matinee im Alten Rathaus. Von Frank Wittmer
Gemessen an der 150 Jahre alten SPD ist der Pleidelsheimer Ortsverein noch jung. "Wir feiern einen Kindergeburtstag", scherzt der Vorsitzende Lothar Muchenberger. Deshalb habe man sich statt einer Abend-Gala für eine Matinee mit Wegbegleitern aus dem Ort und dem näheren Umfeld entschieden. "Dass wir noch Zeitzeugen am Ort haben, ist ein absoluter Glücksfall." Sehr gespannt ist er auf die Laudatio von Gunter Pfeiffer, dem Sohn des Mitbegründers der Pleidelsheimer SPD Daniel Pfeiffer.
Eine Arbeiterbewegung wie in den großen Städten habe es in Pleidelsheim nicht gegeben. In den späten 50er Jahren, als ein neues Schulhaus und eine Turnhalle benötigt wurden, hatte Daniel Pfeiffer für Spenden und Freiwilligenarbeit geworben. Mit überragendem Erfolg wurde Pfeiffer im Jahr 1959 in den Pleidelsheimer Gemeinderat gewählt, damals noch für die "Unabhängige Wählervereinigung".
Mit Unterstützung des Sozialdemokraten Karl Lillich, der schon vor dem Krieg Mitglied im 1904 gegründeten Ingersheimer SPD-Ortsverband gewesen war, gründete Pfeiffer 1960 die Pleidelsheimer SPD. Im Gründungsjahr hatte der Ortsverband 14 Mitglieder, heute sind es 34. Daniel Pfeiffer stand dem Verein einige Jahre vor, dann folgte ihm sein Sohn Gunter Pfeiffer nach, der 18 Jahre Vorsitzender und SPD-Gemeinderat war.
In dieser Tradition sieht sich Lothar Muchenberger, der den Ortsverein seit 16 Jahren leitet. Mit seinem Vize Hermann Höhne legt Muchenberger letzte Hand an die Ausstellung, die am Sonntag im Alten Rathaus zu sehen sein wird. Auf neun Tafeln wird die Geschichte des Ortsvereins dargestellt. "Aus den Anfängen haben wir leider nur wenige Fotos", bedauert Muchenberger. Auf einem der Bilder ist Daniel Pfeiffer zu sehen. Stolz ist Lothar Muchenberger auf die Tafeln zum Politischen Aschermittwoch, der 1994 bis 2005 eine feste Größe in der Kommunalpolitik war. "Sogar das Fernsehen hat berichtet, dass die baden-württembergische Sozialdemokratie sich in Pleidelsheim trifft." Mit Referenten von damals, etwa Hans Martin Bury, der später Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder wurde, bis hin zum Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner war das Podium stets hochkarätig besetzt. Weil das Alte Rathaus den Ansturm nicht mehr fassen konnte, habe man sich schweren Herzens dazu entschlossen, die Aschermittwoch-Reihe nicht weiter fortzusetzen.
Mit großem Andrang rechnet Muchenberger auch am Sonntag. "Wir haben 85 Anmeldungen, das heißt, es wird recht eng." Damit sieht sich der Lokalpolitiker bestätigt, dass die SPD trotz sinkender Wahlergebnisse in Bund und Land weiterhin eine wichtige Kraft in Pleidelsheim ist. "Wir waren schon immer der Impulsgeber für innovative Ideen, seien es alternative Energien, gerechtere Mobilität, soziale Kindergarten oder Abwassergebühren. Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie sind wichtige Grundwerte. Gerade jetzt gibt es für die SPD mehr als genug zu tun."