Nachlese zu 50 Jahre SPD Pleidelsheim

Veröffentlicht am 25.04.2010 in Ortsverein

Laudator Gunter Pfeiffer

Laudatio von Gunter Pfeiffer

50 Jahre SPD Pleidelsheim
Meine Damen und Herren,
Freunde der SPD und solche, die es noch werden wollen,
Liebe Genossinnen und Genossen.

Fünfzig Jahre sind im Leben eines Menschen schon mehr als die Hälfte seiner Erwartung; in der Geschichte eines Dorfes -Pleidelsheim ist ja nachgewiesener Maßen schon über 1200 Jahre alt- sind 50 Jahre ein Klacks und auch unsere liebe, anstrengende, manchmal frustrierende aber auch heute mehr denn je notwendige SPD ist bald offiziell schon dreimal so alt wie der Pleidelsheimer Ortverein.

Als der Ortverein Pleidelsheim halb so alt war wie heute, logischerweise beim 25-jährigen Jubiläum, konnte der seinerzeitige Bürgermeister a.D. Eberhard Siegle nicht teilnehmen, hat mir aber einen Brief geschrieben, von dem ich eine Passage zitieren möchte:
Ich habe nicht vergessen, dass ich in der SPD Frauen und Männer zwar kritische aber stets faire und zuerst am Gemeinwohl orientierte Partner im Gemeinderat hatte.
Und, ich denke, Herr Bürgermeister Ralf Trettner hat dies mit seinem Grußwort bestätigt.
Wir sind hier nicht vor einer Wahl, nicht bei einer Beerdigung und nicht nach einer Jagd; deshalb wollen wir bei der Wahrheit und nichts als der Wahrheit bleiben.
Es war mutig, sehr mutig, in dem konservativen Flecken Pleidelsheim, das von Landwirtschaft, Handwerk und den Firmen Gussmann und Greiner geprägt war, eine Partei zu gründen, zudem sie Sozialdemokratische. Im anderen Teil Deutschlands regierten die Sozialisten, Walter Ulbricht war DDR-Staatsratsvorsitzender geworden. Die USA mit dem Westen führten gegen die Sowjetunion und den Osten kalten Krieg. Die Gleichung für den Normalbürger war doch ganz einfach: Sozialdemokrat = Sozialist = Kommunist = Teufelswerk!
Deshalb gilt dieser mutigen Frau Hedwig Effenberger und diesen mutigen Männern, Karl Lillich, Daniel Pfeiffer, Fritz Latzel, Richard Sträßle, Karl Harsch, Hermann Keller, Gustav Kroboth jun. Und sen., Kurt Keller, Willy Lillich, Paul Weller, Johann Sorg, und Willi Berwald unser aller Verehrung und Respekt. Wohl wissend um das schräge Ansehen durch die Pleidelsheimer, gründeten sie am 11. April 1960 den SPD Ortsverein Pleidelsheim.
Und dafür sind wir Ihnen dankbar und die Pleidelsheimer dürfen es auch sein! Und auch allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die nun bereits 50 Jahre diesen Ortsverein geführt und geprägt haben. Die Vorsitzenden waren in diesen Jahren: Karl Lillich, wohl der einzige Sozialdemokrat, der in Pleidelsheim das 3. Reich unbeschadet überstanden hat, Daniel Pfeiffer, Johann Poschgai, Adolf Wildermuth, dann ich, Heinrich Lang und nun schon seit über 14 Jahren Lothar Muchenberger. Ich möchte nun nicht mit der Aufzählung von Kassierern, Schriftführern und Stellvertreter langweilen; es ist eine große Zahl an verdienstvollen Genossinnen und Genossen, die Zeit und Nerven für ihr ehrenamtliches Engagement geopfert haben.
Die SPD ist kein Wahlverein, der nur die Kandidatinnen und Kandidaten für Gemeinderats-, Kreistags-, Landtags- oder Bundestagswahlen bestimmt, er ist schon mehr eine große Familie. Dies erkennen wir an dem Umtrieb, der im Pleidelsheimer Ortsverein herrscht.
Wir haben 1971 ein gemeinsames Kirbeessen eingeführt, bei dem man ohne zu politisieren den Reh- oder sonstigen Braten und dazu ein oder auch mehr Viertele genossen hat.
Das vielseitige und interessante Ferienprogramm wird von vielen Kindern gerne jedes Jahr angenommen.
Der Adventskaffee dient in der Vorweihnachtszeit zu unpolitischen, zwanglosen Gesprächen.
Der hausgemachte Erbseneintopf ist auf dem Weihnachtsmarkt ein echter Renner.
Die vor 14 Jahren von der SPD initiierte Rentner-Gang pflegt für die Allgemeinheit und zur Entlastung des Gemeindesäckels Grünflächen, Verkehrsinseln und Rabatten und ist eine feste Institution geworden.
Bei Ausflügen wie zur KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg in Ulm –auf dem mein Vater ab 20.04.1917 als Rekrut Wehrausbildung erhielt-, zum Hambacher Schloss, der Wiege der deutschen Demokratie, dem Strafvollzugsmuseum, wird der Horizont erweitert.
Längere Ausfahrten wie nach Brüssel, Straßburg, Prag oder Berlin werden auch von Nichtmitgliedern sehr gerne Angenommen.
Auch unsere Toten sind nicht vergessen; am Volkstrauertag werden jedes Jahr Blumen an deren Gräbern niedergelegt.
Diese Aufzählung ist natürlich bei weitem nicht vollständig, unser Lothar könnte bestimmt auf Anhieb ein Dutzend weitere, auf neuschwäbisch Events, benennen.
Diese ganzen Aktivitäten erfordern natürlich einen enormen Aufwand, aber sie bringen den Ortverein Pleidelsheim und die Sozialdemokraten den Menschen näher und nehmen ihnen die weitverbreitete Ansicht, dass ein SPDler ein Parteisoldat sei.
Ein absoluter Renner war von 1994 an 12 Jahre lang der politische Aschermittwoch im Alten Rathaus. Da war kein Hauen und Stechen auf politisch anders denkende, sondern sachliche Vorträge über Probleme unserer Zeit.
So brachte MdB Dr. Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR den aufmerksamen Besuchern die Notwendigkeit einer Energiewende anschaulich nahe. Dass die Umweltpolitik eines der heute wichtigsten Felder ist, kam auch in den Vorträgen von dem ehemaligen Umweltminister Harald B. Schäfer und Prof. Dr. Ulrich von Weizäcker zum Ausdruck.
Die Europapolitik und das Miteinander mit unseren Nachbarn und früheren Erzfeinden haben Dr. Hentrik Uterwedde und die Europaabgeornete Evelyn Gebhardt nahegebracht.
Die nach wie vor große Benachteiligung der Frau war Thema von Landesfamilienministerin Brigitte Unger-Soyka.
Beate Weber, die ehemalige Europaabgeornete und Oberbürgermeisterin von Heidelberg, das übrigens vom Ortverein auch besucht worden war, zeichnete auf, dass es in einer Kommune auch ohne Fachchinesisch geht, wenn man es durch die Brille der Bürger sieht. Auch der Umweltschutz in Form einer örtlichen Agenda wurde von ihr als wichtiges Thema beschrieben.
Das sozialdemokratische Urgestein, Ikone der Friedensbewegung und Vater des Ökologiegedankens Dr. Erhard Eppler rezitierte aus seinem Essay und betrachtete die Moral in der Politik.
Zu den herausragenden Referenden dieser Veranstaltungsreihe gehörten noch Wolfgang Drexler, Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin und der Oberbürgermeister von Ulm Ivo Gönner.
Wenn wir nun diese berühmten Menschen auf ihre Stammeszughörigkeit untersuchen, finden wir lauter Schwaben, ist das nicht toll!
Und unsere Enkel wie Claus Schmiedel, Hilde Mattheis und nicht zuletzt Nils Schmid, unser junger Landesvorsitzender, werden unser schönes Baden-Württemberg weiter voranbringen, sei es in der Opposition, aber natürlich noch wirkungsvoller in einer Regierung.
Wir Sozialdemokraten müssen nicht kleinmütig sein, weil die Umfragewerte nicht gerade glanzvoll sind. Wir müssen unsere 150-jährigen Tugenden und Ziele beachten und einhalten.
Selbstverständlich ist es sehr schwer, dem Volk eine Verunsicherung zu nehmen, die entstanden ist durch scheinbare Unzuverlässigkeit. Darf ich daran erinnern, dass sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Hessen es sogenannte rechte Sozialdemokraten waren, die zu diesem Desaster geführt haben, das, auch dank des politischen Gegners und seiner Presse nicht so schnell vergessen wird.
Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, dass sich Sozialdemokraten, die dabei waren, noch immer das Hartz IV um die Ohren schlagen lassen, obwohl die in diesem notwendigen Reformwerk beinhalteten Grausamkeiten von der seinerzeitigen schwarz/gelben Bundesratsmehrheit im Vermittlungsausschuss durchgedrückt wurden.
Deshalb SPDler, denkt an unsere Präambel im Organisationsstatut:
Dort steht unter Anderem:
Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau und Bewahrung der natürlichen Umwelt.
Ein Leitwort von Willy Brandt war: den Geist der Freiheit mit dem Geist der Gerechtigkeit verbinden.
Und auch unsere Nationalhymne will Einigkeit und Recht und Freiheit! Wobei mit Recht Gerechtigkeit angesprochen ist.
Der Nussknacker aus München meint irren ist menschlich, dauernd irren ist sozialdemokratisch; da kann ich nur sagen: er ist auch nur ein Mensch!
Carlo Schmid, ein verehrter Sozialdemokrat und großer Deutscher würde dazu sagen: Man darf den politischen Gegner nicht verteufeln, man muss ihn widerlegen.
Ich wünsche dem Pleidelsheimer Ortsverein der SPD weiterhin viel Glück und dieses rege Leben und Wirken, und dem Vorsitzenden Lothar Muchenberger eine robuste Gesundheit, dass er den Verein noch so lange exzellent führen kann, bis er zu seinem Glück einen Nachfolger gefunden hat, der es wagt, in seine Fußstapfen zu treten.

 

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