Die Hohenzollernstraße ist eine fast geradlinige Straße, die durch Gehwege mit Bordsteinkante abgegrenzt, durch ein Wohngebiet mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h führt. Diese Straßenführung verleidet, insbesondere durch die Vorfahrtsberechtigung, die Autofahrer mit erhöhter Geschwindigkeit zu fahren.
Ich bin vor einiger Zeit über eine Zeitungsartikel auf die niedersächsische Stadt Bohmte gestoßen, die solch ein Konzept realisiert hat und konnte mir damals auch nicht vorstellen, dass so etwas funktioniert. Setzt man sich jedoch intensiver damit auseinander, so findet man die Idee sehr gut, wenn der Straßenraum für „Alle“ da und barrierefrei gestaltet ist.
Eine Straße durch ein Wohngebiet ist nicht nur für die Autofahrer da, sondern vor allen Dingen für Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwagen, ältere Menschen und auch spielende Kinder. Mit der Idee von „shared space“, besser gesagt als gemeinsam benutzter Straßenraum, läßt sich dies verwirklichen, indem die strikte Trennung zwischen Straße und Gehweg aufgehoben wird. Selbstverständlich bleibt ein Gehweg erhalten, nur nicht durch eine Bordsteinkante vom restlichen Straßenraum getrennt. Optische Verengung der Fahrbahn sorgt für Verunsicherung der Autofahrer, lässt sie langsamer fahren und erhöht dadurch die Sicherheit. Verkehrspsychologen sprechen von Sicherheit durch Unsicherheit. Dies erfolgreiche Konzept kann man unter anderem zum Beispiel auch in Memmingen sehen. Übrigens findet die Philosophie von „share space“ Unterstützung durch die EU und wurde mit dem CDU Bürgermeister (Klaus Goedejohann) in Bohmte realisierte. Die Tatsache, dass die Pleidelsheimer CDU Vorsitzende (Frau Steinmetz) hier von einem lebensgefährlichen Leichtsinn spricht kann man nur so deuten, dass sie sich mit der Thematik nicht auseinander gesetzt hat, oder populistisch Meinungsmache betreibt.. Ein Kontakt zu Ihrem CDU Parteimitglied Goerdejohann wäre sicherlich angebracht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Bürgermeister sich die Anschuldigung mit lebensgefährlichen Leichtsinn gefallen lässt, da diese Wortwahl unterstellt, dass er leichtsinnig mit dem Leben anderer umgeht.
Ziel soll doch sein, dass sich „Alle“ in der Hohenzollerstraße wohlfühlen, ältere Menschen barrierfei auch mit dem Rollator den Nachbarn auf der anderen Straßenseite besuchen, Kinder und Erwachsen sich frei bewegen können. Die Straße auch als Treffpunkt, so wie wir es von den südlichen Urlaubsländern kennen.
Eine Straßenerneuerung hat einen jahrzehntelangen Bestand, die Bewohnerstruktur wird sich ändern, mehr Familien mit Kinder werden an der Straße wohnen. Dieser Entwicklung muss man berücksichtigen und nicht mit einer Straßenplanung vom letzten Jahrhundert, die noch die autogerechte Stadt favorisiert hat.
H. Höhne